Montag, 21. April 2014

In der Oase von Tinghir


In den letzten beiden Wochen habe ich es mir richtig gut gehen lassen. Auf einem recht komfortablen Campingplatz mit Swimmingpool und duftenden Rosenbüschen habe ich die Osterreisewelle abgewettert. In diesem Pool bin ich jetzt – bei ganz hochsommerlichen Temperaturen – täglich schwimmen gegangen.
 
 
An unserem Campingplatz vorbei fuhr Tag für Tag zunehmend eine wahre Flut von Reisebussen, Motorradgruppen und 4x4-Autos in die Todhra-Schlucht. Dieser Brennpunkt des marokkanischen Tourismus ist wirklich sehr attraktiv – eine mehr als 500 m lange Schlucht wird von bis zu 300 m hohen rotbraunen Felsen eingerahmt.
 
 
Aus einer Quelle am oberen Ende der Engstelle fließt beständig ein eiskalter Bergbach. Diese dramatische Idylle zieht natürlich Touristen wie Marokkaner an – an Ostern aber in solchen Massen, dass ich lieber in den Oasengärten spazieren gegangen bin.
Man ist nach wenigen Schritten weit weg vom Trubel. Zwischen Palmen und Olivenbäumen liegen die kleinen Felder mit Bohnen, Getreide, Zwiebeln und ähnlich nahrhaften Dingen.
 
Überall sieht man die fleißigen Bauern, die noch fleißigeren Frauen und ihre ganz ungemein belastbaren Esel und Maultiere bei der Arbeit. Dazwischen fliegen Reiher, Wiedehopfe und Schmetterlinge. Es ist wirklich ein Ort um die Seele zu erfrischen.

 
Auf der unserem Campingplatz gegenüber liegenden Seite des Tals findet man verlassene Dörfer, die langsam in Schönheit zerbröseln. Ihrer Bewohner sind in neue komfortablere Häuser umgezogen, bewirtschaften aber immer noch die Felder und Gärten: 
 

 
Eine weitere Ausflugsmöglichkeit ist es, durch die Schlucht hindurch zu fahren und auf einer der Straßen, die über den Hohen Atlas hinweg führen ein Stück nach Norden zu fahren. Außer den einheimischen Taxis und LKWs gibt es hier nur wenig Verkehr. Dafür sieht man umso mehr Ziegenherden und auch einen Marabut – ein Grab für einen Heiligen.

Genauso interessant – aber natürlich sehr viel trubeliger – ist ein Besuch auf dem montäglichen Souk in Tinghir, dem Hauptort dieser Oase. 
 
 
Tinghir ist gerade Provinzhauptstadt geworden. Es wird unglaublich viel gebaut – auch ein Modell der Schlucht wird bald auf der Hauptstraße als gut 5 m hohes Modell zu sehen sein.

Der Künstler ist in ganz Südmarokko tätig – jeder größere Ort soll mit ähnlichen Werken beglückt werden.

Ich werde nun bald über den Hohen Atlas durch das Ziz-Tal nach Norden fahren. Die Zeit im tiefen Süden ist erst mal vorbei.