Freitag, 8. April 2016

Mogadors Synagogen

 
 
Mogador - wie Essaouira lange Zeit hieß - wurde im 18. Jhd. zum größten Seehafen Marokkos ausgebaut. Um den Handel effektiv zu betreiben wurden 10 jüdische Familien, die von den aus Spanien vertriebenen "Moros" abstammten. Sie waren sehr erfolgreich und stellten lange Zeit den größten Teil der Bevölkerung der Stadt. Fast 40 Synagogen dienten den Juden zum Gebet, die meisten davon befanden sich in privaten Häusern.
Schon vor einigen Jahren habe ich versucht in der Mellah - so nennt man in Marokko die jüdischen Viertel - eine dieser Synagogen zu finden. Seit einigen Jahren werden die bescheidenen Reste der jüdischen Bauten restauriert - in der Regel von Privatleuten. Fast alle Juden haben die Stadt Richtung Israel verlassen - nur wenige Juden sind in Marokko geblieben. Das Viertel ist in einem beklagenswerten Zustand, viele Häuser sind Ruinen. Diesmal fanden wir nach einigem Suchen die zur Haim Pinto Synagoge gehörende Schule, die gerade in das erste marokkanische Alzheimer-Zentrum umgestaltet wird, man zeigte uns aber die Sterbetafel eines der wichtigsten Stifter dieser Schule.


Foto aus dem Internet
Weiter führte der Weg entlang eingestürzter Häuser - eine Tür stand offen und wir kletterten einfach die Treppe hoch und fanden uns in der Slat Lkahal Synagoge - der einzigen öffentlichen Synagoge Mogadors. In dem weitestgehend restaurierten Raum stand Haim Bitton, der als Kind in dieser Synagoge gebetet und mit seinem Eltern den jüdisch-andalusischen Liedern gelauscht hat. Er hat bei einer Wanderung durch die Stadt die Tür wiedererkannt und sich entschlossen, das Gebäude zu restaurieren - es dauerte länger und kostete mehr als er dachte, aber er gibt nicht auf.  Eine deutsche Volontärin hilft ihm, auch von ihr haben wir einiges über die Geschichte der Juden Mogadors erfahren.




Foto aus dem Internet