Montag, 3. Januar 2022

Aus einer anderen Perspektive






Europa ächzt unter der neuen Welle der Coronapandemie - Omikron beherrscht die Medien und wohl auch das Leben der Menschen. Gelegentlich wird darauf hingewiesen, dass in „Afrika“ alles viel schlimmer ist, weil dort zur Zeit gerade mal knapp 10 % der Bevölkerung schon mal eine Impfdosis bekommen hat.



Ich bin seit Mitte November in Marokko - es war nicht ganz einfach hierher zu kommen, weil Direktflüge ab Deutschland schon nicht mehr möglich waren. Ich hatte die vorgeschriebenen Impfnachweise, den nagelneuen PCR-Test und eine Art eidesstattlicher Ehrenerklärung am Flughafen Agadir in der Hand. Wir waren eine sehr kleine Schar, die da ausstieg. So schnell hat meine Einreise noch nie geklappt - nur diesen Ehrenzettel abgegeben und drin war ich. 



Wenige Tage nach unserer Einreise schloß Marokko seine Grenzen. Es gab noch einige Sonderflüge - aber wir wollten doch lieber hier bleiben in der Sonne, am Meer, in unserem kleinen Haus in Sidi Ifni. Sicherheitshalber hatte ich mir die Haare etwas kürzer schneiden lassen. Ich hatte schon so eine Ahnung, dass der geplante Heimflug ein wenig länger auf sich warten lassen würde. Unser Münchner Freund kam noch mit der letzten Fähre nach Tanger, wenige Stunden nach seiner Einreise drehte die nächste Fähre nach Süden wieder um.


Auch Sidi Ifni ist in der Corona-Zeit nicht verschont geblieben. Wie in Europa hatte man auch hier strenge Regeln erlassen und eine ambitionierte Impfkampagne gestartet. Schon in Januar 2021 begann das große Impfen - kostenlos für alle Bürger und Menschen mit ständigem Wohnsitz in Marokko. Marokko kaufte was es auf dem Impfstoffmarkt so gab. Trotzdem starben auch hier Menschen, auch in Sidi Ifni. 


Das Tourismusgeschäft ist weitestgehend zusammengebrochen, man versuchte wenigstens den einheimischen Tourismus zu fördern. Nach Aussagen marokkanischer Medien hat das Land in dieser Zeit ca. 8 Milliarden Euro an Einnahmen aus dem Tourismus verloren. 

Trotzdem, das Leben in meinem kleinen Ort wirkt ziemlich unverändert. Seit Wochen hat es in diesem Gebiet keine neuen Infektionen gegeben. Nur aus dem Norden hört man beunruhigende Zahlen, von Woche zu Woche steigen die immer noch niedrigen Infektionszahlen an. Besonders im Bereich um Casablanca fasst Omikron Fuß. Für Silvester wurden nächtliche Ausgangssperren verhängt - und wie in Deutschland werden die zögerlichen Bürger zum Impfen aufgerufen. Zum Boostern wird man per SMS aufgefordert, auch Touristen sollen wie die im Land lebenden Flüchtlinge aus den südlichen Ländern geimpft werden. Das läuft leider nicht reibungslos. Zur Zeit wird Astra Zeneka angeboten.



Angesichts einer gerade gestarteten Grippewelle fürchtet man, dass viele Kinder erkranken werden. Rund 76 % der impffähigen Bevölkerung sind zweifach geimpft - aber inklusive der Kinder sind 5,4 Millionen von 36 Millionen Einwohnern noch nicht geimpft - und darüber macht man sich hier natürlich Sorgen. Wie in Europa werden viele Pläne vorgelegt - aber leider ist die Bevölkerung nicht unbedingt kooperativ. Zwar sind in den letzten 2 Wochen mehr Menschen mit Maske vor Mund und Nase zu sehen. Aber die Standardtrageform ist leider die „Kinnbinde“. 



Nun warten wir .... Es gibt im Internet ausgezeichnete Information über die Situation, z.B. in der deutschsprachigen „Maghreb Post“ oder bei „Medias24„. Die pandemische Notlage ist bis Ende Januar verlängert worden und damit auch die Sperre der Fähren. Wir wollten nun doch endlich unser im März 2020 zurückgelassenes Auto wieder nach Deutschland bringen. Wetten, wie lange das nun noch warten muss, werden noch angenommen. 


2 Kommentare:

  1. März, würde ich raten. Aber schöner kann man kaum feststecken...

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    1. mit März rechne ich auch - als Höhepunkt der Omikronwelle rechnet man hier mit Ende Januar.

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