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Freitag, 19. Juni 2020

Couturissime

Was macht man an trüben Frühlingstagen? Ein Bummel durch die  Münchner Innenstadt gleicht einem Slalom zwischen immer neu aufschießenden Baustellen. Zum SALE-Shoppen hatte ich keine recht Lust - aber …… am Eingang der Hypo Kunsthalle lockte ein Schriftzug: Thierry Mugler - Couturissime! Von der Ausstellung hatte ich dank der schönen BR-Sendung Capriccio schon gehört und die Schlange vor dem Haus gehörte nicht zur Ausstellung sondern zum Klamottenladen nebenan.

Dank eines kleinen Rentner-Rabattes hatte ich keine Hemmungen - da musste ich rein.




Die Ausstellung wurde von dem kanadischen Museum of Fine Arts in Montreal produziert - unter der Leitung von Thierry-Maxime Loriot. Über Rotterdam war sie nun nach München gekommen. 

Leider war das hübsche Café immer noch geschlossen, aber ich war ja zum Schauen und nicht zum Schlemmen gekommen. Ich erinnerte mich an das Yves Saint Laurent Museum in Marrakech. Weil ich dort von der Handwerkskunst so begeistert war und YSL ganz und gar meinen Geschmack - wenn auch nicht die Leistungsfähigkeit meines Bankkontos - getroffen hatte, war ich erst ein wenig snobistisch eingestellt. Besser konnte das keinesfalls sein. Nun ja, besser vielleicht nicht, aber vollständig anders - das war eine neuer Planet.


Thierry Mugler, ein gebürtiger Straßburger ist mittlerweile 71 Jahre alt. Er hat sich leider jetzt darauf verlegt sich mit Hilfe von Bodybuilding und plastischer Chirurgie in eine Art Wrestling-Rentner zu verwandeln. Aber in seinen jungen kreativen Jahren hat er die Modewelt kräftig aufgemischt. Als Jugendlicher hatte er Balletttanz gelernt und dann Kostümdesign studiert. In den 70er Jahren eröffnete er eine erste Boutique in Paris. 




Schon bald arbeitete er mit Stars wie David Bowie, stattete Bühnenshows aus und inszenierte seine Modeschauen als exzentrische Happenings. Inspiriert wurde er durch Filme wie Metropolis, Wagneropern und Sciencefiction-Welten.






Er gestaltete Mode die sich weit auch vom elegantesten Alltag weg bewegte - hin zu fantastischen Welten in denen Frauen kühl, stark und klapperdürr sein sollten. Fotografen wie Newton, Ritt und Unwerth ließen sich von ihm inspirieren. In der Ausstellung hängen neben den  etwa 150 Figurinen mit Muglers Kreationen ca. 100 dazu korrespondierende Bilder.
Zum kommerziellen Erfolg trugen - wie bei vielen großen Modemarken - die Parfums bei - wie Angel oder Alien….

Bei Mugler liefen all die Supermodels, aber auch gelegentlich ein androgyner Schöner auf Highheels und - Überraschung: Ivana Trump (die erste Frau des ungeliebten Präsidenten).




Ab 2002 arbeitete er für wenige Jahre für Bühnenshows, z.B. für den Cirque du Soleil. Er drehte auch Musikvideos so wie schon früher für George Michael.

 Von Raum zu Raum steigerte sich meine Begeisterung für den kreativen Geist Muglers. Aber ebenso begeistert und voll Be-wunderung bin ich für die Handwerker, die diese Ideen real werden ließen.


Neben den "Kleidern", für die er beim Material zu ungewöhnlichen Materialien griff (z.B.Gummi, Metall, Venyl, Kristalle) und die die Körper oft mehr entblößten als bedeckten,  gab es auch kühle Schwarz-Weiß-Kostüme, die im Kontrast fast schon brav und tragbar wirkten. Da hätte mir manches gefallen.






Im letzten Raum der Ausstellung zeigt man Modelle aus der Kollektion "Les Insectes" von 1997. Hier hat er alle Grenzen der Schneiderkunst und der kommerziellen Modewelt überschritten. Das ist - denke ich -  einfach Kunst. Zum Glück war die Ausstellung am späten Vormittag nicht so gut besucht, so daß ich mir die einzelnen Objekte genau ansehen konnte. In Bewegung sieht das noch mal ganz  anders aus. - Spätestens hier hatte er mich am Haken. Ich bin gleich noch mal durch die Ausstellung gegangen. Leider hatte ich nicht gedacht, dass man fotografieren darf - ich hatte nur meine kleine Notkamera dabei.











Für das pièce de résistance der Ausstellung muß ich daher auf eine Bild aus dem Internet zurückgreifen - credit Fahrenheit Magazine - dem war meine kleine Knipse nicht gewachsen. La Chimère aus der Winterkollektion 97/98 hat die Handwerker ungemein gefordert. Zusammen mit dem südafrikanischen Korsettmacher Mr. Pearl und dem Industriedesigner Jean-Jaques Urcun arbeiteten etwa 20 Menschen an der Erschaffung dieses Fabelwesens. Allein für die Stickerei - z.B. an den Schuppen - brauchte man 1000 Arbeitsstunden. Schließlich wurde es von dem damaligen Supermodel Yasmin Le Bon im Londoner Palladium präsentiert.

Aus dem Museum herauszugehen war für mich wie das Auftauchen aus der Tiefsee - noch ganz gefangen von den Geschöpfen, die ich dort unten gesehen habe.
Ob das Ganze political correct ist oder nicht - ich kann es nicht sagen. Das Frauenbild Muglers ist wahrscheinlich schon so in der Vergangenheit versunken wie es gotische Madonnen sind. Gerade darum kann ich seine Traumgestalten ansehen wie eine Oper aus dem 19.Jhd. Irreal und  doch wunderschön.
























Freitag, 22. Mai 2020

Mein interessanter Nachbar


Ich wohne unmittelbar neben einem sehr großen Friedhof. Das ist gar nicht schrecklich sondern eher angenehm. Der Friedhof ist im Frühling ein Blumenmeer - Vögel, Eichhörnchen und Spaziergänger fühlen sich dort wohl.



Wenn ich zur U-Bahn gehe wähle ich lieber den Weg durch den Friedhof als an seiner Außenmauer entlang neben einer sehr lauten Straße. Natürlich schaue ich dann auch auf die Grabsteine, die es hier in einem unglaublichen Variantenreichtum gibt.















Ein Grabstein ist mir besonders aufgefallen, weil er ägyptische Dekorationselemente aufweist.
Das Grab selbst ist nicht mehr erkennbar - nur die Stele mit der Bronzebüste ist erhalten.





Der Name Georg Ebers - 1837 bis 1898 - erschien mir seltsam vertraut. Beim Weitergehen dämmerte langsam aus der Tiefe meines Gedächtnisses ein Wort hervor: "Ebers-Papyrus"!







Natürlich, das hatten wir in der Vorlesung über die Geschichte der Medizin gehört! Dieser Papyrus ist die Hauptquelle unseres Wissens über die alte ägyptische Medizin.


Kolumne 37 über Magen- und Darmbeschwerden


Prof. Ebers hat ihn ca. 1872 auf einer seiner Ägypten-Reisen von einem koptischen Händler  gekauft, nachdem er die erste Zeile übersetzt hatte: "Anfang des Buches von den Krankheiten aller Glieder des Menschen". Er brachte den Papyrus nach Leipzig und übereignete ihn der Universitäts-bibliothek. Die über 18 m lange Rolle wurde im 16. Jhd. v.u.Z. verfasst. Sie besteht aus 108 Kolumnen (Textseiten).
Die Kapitelanfänge und die Mengen-angaben sind rot geschrieben, der Text ist in hieratischer Schrift verfasst, das ist die kursive Form der Hieroglyphen.

Leider hat der Papyrus den 2. Weltkrieg nicht ganz unbeschadet überstanden.
In Anbetracht seines Alters von rund dreieinhalb tausend Jahren ist er aber unglaublich gut erhalten.


Das Bild von Ebers Mutter Fanny, die aus einer vermögenden jüdischen Rotterdamer Familie stammte  -  wurde ca. 1826/27 von F.W.v.Schadow gemalt und ist im Besitz der Neuen Pinakothek in München




 Der in Berlin geborene Ebers verbrachte seine letzten Jahre in Tutzing und München. In Tutzing gehörte ihm das wunderschön am See gelegene heutige Midgard-Haus. Darum ist er - anders als seine Vorfahren - nicht in Berlin sondern in München gemeinsam mit seiner Gattin begraben. Wenn mich mein Weg an seiner letzten Ruhestätte vorbeiführt freue ich mich immer, dass ich ihn hier entdeckt habe.
























Quellen: Universitätsbibliothek Leipzig
Wikipedia
J.Thorwald: Macht und Geheimnis der frühen Ärzte

Montag, 7. Dezember 2015

Nikolaus



Vor meiner Abreise nach Marokko hatte ich noch das besondere Vergnügen, an einer Nikolaus-Party teilzunehmen.  In der Stadt waren die roten Mützen unübersehbar. Damit ist es jetzt aber genug mit "Winterfreuden". Ich bin schon ganz auf Sonne, Meer und Wüste eingestellt ...
Servus Bayern!!!

Freitag, 28. März 2014

Wochenmarkt in Tafraoute



Wochenmärkte sind im ländlichen Marokko nicht nur die beste Möglichkeit frisches Obst und Gemüse zu kaufen. Sie sind ein „gesellschaftliches Ereignis“! Aus den umliegenden Dörfern und Weilern  – mit Eseln, Taxis und Bussen - kommen die Menschen in Scharen zum Markt, um z.B. Töpfe, Plastikartikel,  Kleidung, Werkzeug, Hühner und Schafe zu kaufen. 
  
Bis zur Rückfahrt trifft man sich in den Straßencafés, trinkt einen Tee oder eine süße Limonade. 

Für den Reisenden ist so ein Markt eine wunderbare Gelegenheit die Tracht der jeweiligen Gegend ausführlich studieren zu können. In Tafraoute tragen noch viele Frauen einen langen schwarzen Rock, der am Rand mit Borten verziert ist. Die traditionellen Borten waren sehr bunt, jetzt bevorzugen die Damen Silber, Rot und Türkis. Über diesem Rock wird eine ebenfalls schwarze Stoffbahn kunstvoll um Oberkörper und Kopf gewickelt. Auch dieser Stoff ist mit einer Borte an der Kante verziert, so dass man schön die Wickelung verfolgen kann. 
 
Dazu tragen die Frauen oft noch die roten Lederschuhe mit einer hohen Fersenlasche und bunten Stickereien. Die Frauen sind fast immer zu zweit oder dritt unterwegs – oft eine junge und eine ältere.
Die ältere Generation der Männer trägt eine sehr variantenreiche Tracht – am interessantesten sind die verschiedenen Kopfbedeckungen. Gelegentlich sieht man einen Kopf, der unmittelbar aus einem Bibelfilm stammen könnte. 
 
Die jungen Männer  - und auch die modernen Mädchen - sind fast komplett zur internationalen Jeans-Tracht übergegangen.  
 
 
In Zukunft wird das Straßenbild während des Marktes also nicht mehr so interessant sein.

Sonntag, 1. Dezember 2013

Bilder einer Ausstellung

Blumenkunst und Malkunst passen offensichtlich gut zusammen.



Margret Greenman malt - nicht nur - wunderbare Pflanzenwesen. Christine Back zeigt in ihrer Gärtnerei schöne Adventsdekorationen - und zwischen den weihnachtlichen Gestecken hängen Margrets Blumenbilder.



Bei einem Seerosen-Bild war ich zu zögerlich, das hängt jetzt bei anderen Leuten an der Wand. Da muss ich eben warten, bis Margret wieder eine neue Seerose aus dem Pinsel fließt.


Die kleine Ausstellung läuft noch bis Weihnachten. Man findet sie in München-Laim, in der Haslangstr. 34
 

Mittwoch, 27. November 2013

Illusion und Wirklichkeit

Vor einigen Tagen machte ich nachmittags mit einer lieben
Freundin einen Bummel rund um den Münchner Marienplatz.
Alles war weihnachtlich geschmückt, die prächtige 27 Meter
hohe Fichte stand vor dem Rathaus, die Marktstände waren
geöffnet und es schneite sogar. Alle Zutaten zu einer gemüt-
vollen Christkindlmarkt-Atmosphäre waren vorhanden. 
Aber, aber ...

Es war gar nicht romantisch. Die Marktstände waren ziemlich klotzige dichtgedrängt stehende Bretterkisten. Der Baum wirkte
sehr fehl am Platz. Es fehlte der Wald von Bad Kohlgrub um 
ihn herum, in dem er 80 Jahre lang so prachtvoll heran-
gewachsen war. Es stimmte mich auch nicht vergnügter zu 
wissen, dass er nach Weihnachten als Übungsbaum für die 
Feuerwehr eine zweite Verwendung finden würde. Der Schnee prasselte in harten Körnern statt in watteweichen Flocken 
herunter.













Wir gingen dann zum Jakobsplatz. Dort wurde gerade der große Chanukka-Leuchter aufgebaut. Auf Bildern aus früheren Jahren kann man sehen, wie schön er vor der Synagoge leuchtet. Ich aber sah nur ein ziemlich schlichtes Gestänge, das den Platz nicht gerade schöner machte.




Ich hatte einen Fehler gemacht. Ich hätte meinen Stadtbummel abends machen sollen, wenn die Dunkelheit die hässlichen Bretter, die Absperrgitter, die Mülleimer und all das andere unschöne Beiwerk eines Christkindlmarktes verbirgt und wenn die unzähligen Lichter des Weihnachtsbaumes festlichen Glanz über den Marienplatz werfen. Genauso würde es sicher auch auf dem Jakobsplatz sein. Die Nacht und die Lichter schaffen uns diese Traumwelt .. und darum muss ich noch einmal hingehen ...


... und schauen ob ich den Weihnachtszauber finde.