Samstag, 14. Februar 2015

Mein Freund Willi



Ich habe einen guten Freund namens Willi. Willi ist ein marokkanischer Hund, ca. 3 Jahre alt und ein prächtiger Kerl. Er ist als junger Hund über einige Stationen bei einem Deutschen gelandet, der in Ifni ein Haus hat. 

Er kümmert sich um ihn und liebt ihn, so wie man eben einen guten Hund liebt.
Ich habe schon viele Spaziergänge mit Willi gemacht – er ist voller Lebensfreude und seinen Freunden treu ergeben.



Nun ist leider etwas geschehen, was wir alle immer schon befürchtet haben. Er hat – und das ist mit anderen Hunden hier auch schon geschehen – einen Giftköder gefressen. Was darauf folgte war eine grausliche Nacht mit Krampfanfällen, Zittern, Keuchen – eine Nacht am Rande des Todes. 



Wie durch ein Wunder war Willi am nächsten Tag noch am Leben. Er erholt sich seitdem sehr gut – aber er ist noch nicht der Alte.


Dieser Tage haben Herr und Hund uns hier in Tafraoute besucht – wir haben wieder eine gemeinsame Wanderung gemacht und dabei voll Freude gesehen, wie er sein gerettetes Leben genießt.

Montag, 2. Februar 2015

Kinder

meine Freundin Astrid Demuth aus Überherrn im Saarland kümmert sich seit vielen Jahren in Agadir im Kinder, die keine Eltern haben. Das sind Straßenkinder, Waisenkinder, Findelkinder ...   Als Babies kommen sie in ein spezielles Kinderheim auf dem Gelände des öffentlichen Krankenhauses Hassan II. Dieses Waisenhaus hat sich in den letzten 15 Jahren von einem erbärmlichen Loch zu einem recht akzeptablen Heim für diese armen Wesen entwickelt. Daran haben Astrid und ihr Mann Walter nicht unwesentlichen Anteil gehabt. Mittlerweile kümmert sich der Lions Club von Agadir um das Heim und es gibt eine ganze Reihe von Sponsoren.  Seit wenigen Jahren gibt es nun auch eine Anschluss-Unterbringung für Kinder ab 6 Jahren, denn leider findet man nicht für alle Kinder Pflegestellen. Dieses neue staatliche Heim ist nach dem Vorbild der SOS-Kinderdörfer gestaltet, wenn auch sehr viel bescheidener ausgestattet.

Für eine ganze Reihe der Jungs, die aus dem Waisenhaus gekommen sind, organisiert Astrid den Besuch von Privatschulen, den nur diese Schulen geben diesen Kindern wirklich eine Chance. Bezahlt werden muss aber auch Kleidung, Medizin, Fahrgeld ....
Eine leider nicht sehr große Anzahl von Paten aus Deutschland spenden regelmäßig  Geld, bringen Kleider nach Marokko - aber auch alte Mobiltelefone, Laptops etc., die dann in Geld und dann wieder in Essen umgewandelt werden.

Einer von Astrids Schützlingen ist taub, geht jetzt in eine entsprechende Schule und blüht seitdem richtig auf.  Astrid und Walter haben dann festgestellt, dass in dieser Schule auch andere arme Kinder sind, die dringlich ein Hörgerät brauchen, es aber nicht bezahlen können. Das wurde dann in Deutschland organisiert:




Ich habe seit gut 10 Jahren ein Patenmädchen, dass schwer gehbehindert ist. Ilham ist jetzt 21 Jahre alt, hat ein sonniges Gemüt, arbeitet sehr gerne im Kinderheim und lebt in einer kleinen Kammer. Da abzusehen ist, dass sie über kurz oder lang Rollstuhlfahrerin werden wird, muss für ihre Zukunft gesorgt werden, wenn nicht alle bisherigen Anstrengungen umsonst gewesen sein sollen.


In Marokko gibt es seit einigen Jahren ein Sozialwohnungs-Bauprogramm.  Ilham soll so eine kleine Wohnung kaufen können. Das kostet wahrscheinlich ungefähr 25.000 Euro. Die notwendige Anzahlung haben wir über die Jahre angespart, die langfristige Abzahlung kann durch die Untervermietung des zweiten Zimmers gewährleistet werden. Jetzt kratzen wir eben unsere Geldtöpfe leer. Dank Astrids Aktivitäten (Besuch aller beteiligten Behörden) sieht es nun hoffungsvoll aus.

Dies ist nur eines der Dutzenden von Kinderschicksalen, um die sich Astrid kümmert - ich hätte die Kraft und die Nerven nicht. Sie und ihr Mann aber werden von diesen Kindern sehr geliebt.

Dienstag, 13. Januar 2015

Unter Muslimen


Es ist nicht leicht objektiv zu sein – zu bleiben ..

Ich lebe nun schon wieder eine ganze Weile in Sidi Ifni – einer ruhigen Kleinstadt am Rande der Welt, wie es mir scheint. Auch hier gibt es Konflikte – der ehemalige Bürgermeister ist gerade wegen seines Verhaltens im Rahmen von Demonstrationen zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. Dabei ging es um den Tod eines jungen Mannes, der das Land mit einem Boot Richtung Kanaren verlassen wollte. Am Tag der Verurteilung konnte ich im Ort keinerlei „Manifestation“ sehen, obwohl die Leute aus Ifni da ziemlich mutig sind.
Ich sitze gerne im Cafe – die meisten Gäste sind einheimische Männer – lese Zeitung,  schwatze mit Freunden und fühle mich dabei als Ausländerin, als Frau, gänzlich unbehelligt.
In der Wäscherei, im Telefonladen, bei den Marktständen und im Restaurant – es gibt viele kurze Kontakte – immer freundlich – ohne jede Aggression.
 
Im TV sehe ich dann – auch gerade jetzt – die Bilder der Solidaritätsveranstaltungen in Europa. Solche Veranstaltungen hat es auch in Rabat gegeben, wenn auch in kleinerem Rahmen. Ich höre aber, dass einige Marokkaner Verständnis für den Zorn auf die Karikaturen-Zeichner haben. Wer mag, kann im Internet nach der Zeichnung „a star is born“ suchen – ich mag da gar keinen Link reinstellen, weil das so unglaublich geschmacklos ist. Ich will da gar nichts entschuldigen oder relativieren – aber den Zorn der Muslime kann ich nachvollziehen. Zorn führt aber nicht zwangsläufig zu Gewalt, das ist ja gerade ein Zeichen einer reifen Kultur, dass man so was wegsteckt.
Ich war auch während des zweiten Irak-Krieges im Süden von Marokko unterwegs – auch damals habe ich keine Feindschaft gegen uns Europäer gespürt.
 
Es treibt mich einfach um, was aus diesem Konflikt wird. Die Pegida-Veranstaltungen sind hoffentlich kein Vorgeschmack auf eine verschärfte Konfrontation. Die türkischen Nachbarn meiner Mutter in Niederbayern sind seit Jahrzehnten friedliche fleißige Mitbürger – soll das jetzt plötzlich anders sein? Deutschland hat eine schreckliche Geschichte mit Vertreibung und Flucht – sollte man sich angesichts der syrischen Kriegsflüchtlinge nicht daran erinnern, was es bedeutete „in Hausschuhen ohne Brot hinaus auf Landstraße geschickt“ worden zu sein.
 
 Ich sehe in die freundlichen Gesichter gerade der jungen Muslime hier in Marokko – und hoffe ……

 

Samstag, 27. Dezember 2014

Kein Weg – nirgends


 
 Na ja, ganz so schlimm ist es nicht – aber es ist zurzeit wirklich nicht immer leicht um Sidi Ifni herum einen Ausflug zu machen. Die kleineren Straßen sind nach den Überschwemmungen noch immer nicht überall passierbar.  

 
Ob mit einer einfachen Schaufel oder einem großen Bagger, an vielen Stellen werden Oued-Durchfahrten und Brücken repariert.

Die Furten sind oft noch angefüllt mit großen Steinen und nassem Sand. Fahrer, die das nicht kennen, bleiben da gerne stecken. Wie gut, dass es Abschleppseile und nette Leute gibt!

aber gibt es etwas spannenderes als zuzuschauen, ob das alles funktioniert ...... ?

Donnerstag, 11. Dezember 2014

Im Überfluß


Die letzten Jahre waren im Süden Marokko Zeiten des Wassermangels. Im Herbst wurde in den Moscheen um Wasser gebetet. Ende November kam es – im Überfluss.

Wir waren gerade in Marokko eingetroffen und zu einem meiner Lieblingsorte – Essaouira an Atlantik – gefahren, da kündigte sich eine gewaltige Regen- und Sturmfront an. Wir erlebten die Vorbereitungen im Hafen. Die Boote wurden aus dem Hafenbecken geholt, die Strandmöblierung in Sicherheit gebracht. 


Dann regnete es drei Tage – teilweise so heftig, dass ich im Wohnmobil wegen des Lärms kaum schlafen konnte. Wir hörten von Überschwemmungen und übervollen Staubecken, zerstörten Straßen und über 30 Ertrunkenen im Süden und beschlossen deshalb mit der Weiterfahrt zu warten. Das folgende Wochenende brachte für die Küste und den Antiatlas noch größere Wassermassen und weitere Todesfälle.  Ausgerechnet unser nächstes Reiseziel – die Küstenstadt Sidi Ifni – war unter den besonders hart getroffenen Orten. 
Die Stadt und ihre 20.000 Bewohner waren nicht mehr über Straßen zu erreichen. Sie mussten – ohne Strom und ohne Wasser – durch Fischerboote aus Agadir übers Meer und durch Hubschrauber versorgt werden.


Wir haben dann in Agadir eine Woche abgewartet, bis wir hörten, dass eine Notbrücke in die Stadt befahrbar war – und machten uns auf den Weg. Auf den letzten 50 km vor Sidi Ifni sahen wir zerbrochene Brücken und überschwemmte Felder.


Die Einfahrt nach Sidi Ifni beginnt mit einem Blick über das Tal – da sahen wir, dass die Gärten im Tal verschwunden waren und die neuen Campingplätze , die man ins Hochwasserbett gebaut hatte, zerstört waren. 


Auf dem Weg zu unserem Campingplatz El Barco, der erhöht am Strand liegt, sahen wir, wie schlimm es die unmittelbaren Anwohner getroffen hatte.


Wir sahen aber auch – und dass von Tag zu Tag – dass die Aufräumungsarbeiten ungeheuer schnell und effizient vorangingen. Am Tag nach unserer Ankunft floss wieder Wasser aus den Leitungen und überall fingen die Menschen an zu waschen und zu putzen. Unter der strahlenden Wintersonne schien sich das Leben wieder zu normalisieren.


Insgesamt waren etwa 40 Wohnmobile am Ort und die Menschen sahen dies offensichtlich als positives Zeichen an – wir wurden ungemein freundlich begrüßt und der Krapfenbäcker schenkte meinem Mann vor Freude sogar eine Tüte von seinem Gebäck. Er freute sich anscheinend, dass wieder die ersten alten Kunden auftauchten!
Die Altstadt auf dem Berg ist unversehrt – aber unsere ersten Versuche, das Umland zu erkunden, scheiterten an den zerstörten Straßen. Wir werden einige Zeit hier bleiben und hoffen, dass es weiterhin so schnell mit dem Abräumen der Schlammberge und des Schwemmgutes, dem Reparieren der Straßen und der Infrastruktur vorangeht!