Sonntag, 2. April 2017

Es ist vollbracht

Seit Dezember 2016 bin ich in Sidi Ifni in Süd-Marokko. Wir haben ja hier im letzten Jahr ein kleines Haus gekauft und in diesem Winter sollte es auf einen auch längerfristig guten Stand gebracht werden. Das Haus war zwar gut gebaut, aber doch ziemlich einfach ausgestattet.



Gedacht hatte mein Mann so an 4 bis 6 Wochen. Es sind drei Monate geworden ...
Zuerst mußte alles aus dem Haus geschafft werden, was wir nicht behalten wollten. Es fanden sich Abnehmer für wirklich alle Dinge, die wir vor die Tür stellten. Dann klotzen drei Männer Tag für Tag tüchtig ran.



Und Stück für Stück wurde es hübscher und hübscher. Der Inhalt eines 4-Tonnen-Anhängers verschwand im Haus (Badewanne, Möbel alle Arten, Bücher, Baumaterial etc.).










meine Dachterrasse



Ich hatte da nicht so viel zu tun; also konnte ich lange Spaziergänge machen und schöne Bücher lesen.









Seit nunmehr zwei Wochen wohnen wir im Haus und freuen uns jeden Tag darüber. Aber diese Wintersaison ist nun auch bald vorbei - das Haus wird eingemottet und wartet auf uns bis zum nächsten November.

Mittwoch, 22. Februar 2017

Shopping in Ifni

Einkaufen ist auch in Sidi Ifni ein wichtiger Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens. Für Teilzeit-Ifnaui wie mich gilt das natürlich besonders, denn ich kann dabei Menschen kennen lernen und das tägliche Leben beobachten.








Es gibt ja glücklicherweise noch keinen großen Supermarkt hier - darum können eine Unzahl von kleinen und kleinsten Läden überleben.















Jedes Viertel, jede Straße hat eine ausreichende Grundversorgung mit allem was die Hausfrau, der Handwerker oder der Fischer so braucht.

Natürlich gibt es auch Schmuckgeschäfte, die aber nicht jeden Tag geöffnet haben.


















ein ausgezeichneter Bäcker - auch die Bienen lieben ihn!

Überhaupt - obwohl die Öffnungszeiten sehr großzügig ausgelegt sind, steht man immer wieder unerwartet vor geschlossenen Türen. Ich habe schon mal gehört: der hat auf dem Land zu tun oder: der macht nur auf, wenn er Lust dazu hat ....



ein Tor zum Markt





Die "Onkel Hassan-Läden" (so nenne ich sie in Anlehnung an unsere verschwundenen Tante-Emma-Läden) bleiben hoffentlich noch lange erhalten - an mir soll es nicht liegen!

Freitag, 10. Februar 2017

They make Sidi Ifni great again.

Lange Zeit war Sidi Ifni ein verschlafenes Nest. Seit den Demonstrationen von 2008 ändert sich das langsam aber beständig. Nachdem in den letzten Jahren die Parks der Stadt - von denen es einige gibt - wieder ansehnlich gemacht wurden, werden sie jetzt regelmäßig in Stand gehalten. 


Es werden viele Häuser neu gebaut oder renoviert - offensichtlich ist Geld in die Stadt gekommen. Die Bautechnik ist aber immer noch sehr einfach.



Das Oued, also das Flusstal - ist zur Zeit eine Großbaustelle. Man baut eine neue Brücke, die einem eventuellen neuen Hochwasser standhalten soll.



 Es werden viele Rohrleitungen verbuddelt und neue Kreisverkehre und Bürgersteige angelegt. So nach und nach sieht man, dass das sehr ansehnlich werden wird.



die Badewanne kommt!
Auch unser Bauvorhaben geht voran - wenn auch langsamer als gedacht. Viele Details machen mehr Arbeit als wir erwartet haben - aber mein Mann hat gute Helfer gefunden. Jeden Tag wird etwas fertig - ich hoffe, dass wir in 2 Wochen einziehen können. 







Dienstag, 27. Dezember 2016

Das Ende der Mika

Zu den ornithologischen Besonderheiten Marokkos gehörte der "Tütenvogel" - in der Nähe von Märkten schwebte er bei leichtem Wind in großer Zahl in der Luft, weil alle Einkäufe sorgsam in dünne Plastiktüten verpackt wurden !

Nun droht mica versicoloria aus-
zusterben, denn seit diesem Sommer sind Plastiktüten in Marokko verboten. Jeder Marokkaner verbrauchte im Schnitt pro Jahr rund 900 Mikas - wie die Plastiktüten auf arabisch genannt werden. Rechtzeitig für die große Umweltkonferenz in Marrakech wurde umgesteuert.










Ich habe es ehrlich gesagt nicht ganz geglaubt, dass so eine radikale Aktion durchsetzbar ist - aber ich habe mich getäuscht. Schon bei meinem ersten Einkauf in einem Supermarkt gab es nur noch große Taschen oder einfache Stoffbeutel gegen Gebühr.



Und hier in Ifni auf dem großen Markt: ob Mann ob Frau ob Tourist - der Einkaufs-Beutel setzt sich durch. 

Für die Produzenten der Tüten gab es übrigens finanzielle Hilfen für die Umstellung der Produktion auf nützlichere Artikel. 
Ich habe sicherheitshalber einige meiner Stoffbeutel aus Deutschland mitgebracht und liege damit hier voll im Trend!

Freitag, 16. Dezember 2016

Neue Erfahrungen

Die Fahrt von München zum Hafen von Genua war eine Reise von der bayrischen Kälte in die milde Atmosphäre der alten Hafenstadt am Mittelmeer. Überdies bietet dieser Hafen schon einen Vorgeschmack auf Marokko, weil fast alle Reisendes marokkanische Gastarbeiter in Italien sind.


Die Überfahrt von Genua nach Tanger-Med dauerte gut 2 Tage, das hängt vom Wetter und so allerlei Unwägbarkeiten ab. Die Durchquerung des Golfs von Lyon war schaukelig, aber auch auf der Strecke zwischen Barcelona und Tanger war das Meer immer ein wenig unruhig. Ich komme damit gut zurecht, aber viel mehr Wackelei hätte es nicht sein dürfen.


In Tanger kamen wir am frühen Abend an. Wir standen dann erst einmal eine gute Stunde bei der üblichen Zollstation herum, bis endlich die Ansage kam: zurück, runter zu den "Transporteuren". Da standen in einem umzäunten Gelände all die Fahrzeuge, die wir immer auf dem Schiff sehen - voll bepackt bis hoch hinauf. Ich war ziemlich ratlos, denn niemand konnte uns sagen, wie das da funktioniert. Ich stürzte mich also ins Gewühl: lauter marokkanische Männer - müde, bärtige, abgekämpfte Gestalten - jeder damit beschäftigt, seine Ladung durch den Zoll  zu bringen. Nachdem ich einen ersten Versuch die Zöllner anzusprechen aufgeben mußte, hatte ich wirklich keine Idee, wie das weitergehen könnte. Da sprach mich einer dieser bärtigen, müden, abgekämpften Männer an: Sprechen Sie Deutsch? Von diesem Moment an ging alles wunderbar voran. Der Mann war ein Transporteur, der Waren zwischen Deutschland und Marokko liefert. Er lief für uns rastlos von Pontius zu Pilatus. Um 4 Uhr morgens hatte er es geschafft, wir waren durch den Zoll - mit viel weniger Kosten als wir befürchtet hatten und auch ohne unseren Hänger auspacken zu müssen. Eine Durchsicht unserer Packliste hatte genügt. Zu allem Überfluss wollte der Mann dann auch kein Geld von uns - die Schokolade für seine Kinder hat ihn mehr gefreut. Bilder konnte ich in dieser Zollstation nicht machen - das hätte wohl Ärger gegeben. Insgesamt habe ich mich als einzige Frau dort aber nie unwohl oder gar bedroht gefühlt!


Am nächsten Tag fuhren wir nach Mohammedia zum neuen IKEA, kauften noch einige Bücherschränke, die wir unter nicht unerheblichem Krafteinsatz sowohl im Hänger als auch im Wohnmobil  verstauten und machten uns auf in den Süden.

der Schatten unseres Camper-Trucks zieht übers Land





Über den hohen Atlas, vorbei an Agadir und wiederum über die Ausläufer des Antiatlas kamen wir - endlich - nach Sidi Ifni. Davon erzähle ich dann ein andermal ....